Re: Didgeridoo und Schamanismus
[ Forum: Didgeridoo Allgemein ]
Geschrieben von alfred am 21. Februar 2006 17:15:58:
Als Antwort auf: Re: Didgeridoo und Schamanismus geschrieben von David Lindner am 20. Februar 2006 11:22:40:
>Umberto Eco sagte mal (sinngemäß): "Wenn ich für ein Buch 1000 gute Kritiken bekomme, dann freue ich mich über diese nicht ännähernd so, wie ich mich über eine schlechte, und wie ich finde unberechtigte, Kritik ärgere"
Hallo David,
vor allem das Zitat von Umberto Eco kann ich gut nachvollziehen und verstehen, wenn man dann heftig um sich schlägt. Ich denke aber, dass du keine "Spaltung" in der Didge-Szene herbeiführen willst: hier die Techniker und da die "Schamanen". Wenn ich dich richtig verstehe, dann geht es dir eher darum, dass da einige Leute sich schlecht behandelt fühlen - ob es wirklich so ist oder ob sie ein wenig empfindlich sind, das sei mal dahin gestellt – Als jemand, „der Freude an leicht unkultivierten Streitereien hat“, solltest du das doch ein wenig nachvollziehen können, wenn andere nicht immer im richtigen Maß reden - dein Hinweis, dass zynische Bemerkungen nicht so toll sind, weil sie oft stärker verletzen als der Zyniker möchte - find ich schon in Ordnung. Du willst uns auf einen Konflikt hinweisen und nicht einen erzeugen und du hättest es gern, dass die schamanistisch aktiven Didger näher an die Szene ranrücken können, wenn sie das denn wollen.
Ich versuche mal die Begrifflichkeit etwas zu entzaubern, ich hoffe, dass ich jetzt keinem Unrecht tue. Da gibt es die Leute, die sich bemühen technisch-musikalisch gut zu spielen, sich darin zu verbessern und oft auch so richtig einen losmachen können und da sind die andern, die eher das "Didge-Erlebnis" suchen und das beginnt mit der entspannenden Wirkung beim Spielen und beim Hören, geht über Zeit-Vergessen beim Spielen und positive Wirkung auf die Gesundheit bis hin zum Eintauchen in eine Anderswelt oder wie immer man das nennen mag. So spielt man wohl eher langsam und meditativ. Ich will damit jetzt nicht einen Gegensatz aufbauen, sondern beschreibe nur häufig vorkommende Spielweisen oder Temperamente.
Ich denke aber mal, dass das eine künstliche Beschreibung ist, weil wohl die meisten sowohl das eine als auch das andere tun - aber sicher gibt es auch viele, die einen deutlichen Schwerpunkt haben und damit beginnen vielleicht die Vorurteile: Während der eine als reiner Techniker beschuldigt wird, nennt dieser den andern vielleicht einen "Flach-Didger", weil weniger Bewegung in seinem Spiel ist. Ich gehe jetzt davon aus, dass die schamanistische Spielweise eher meditativ klingt – Flachdidgen solle keine Wertung sein, sonder ist nur so ein Begriff, den ich mal gelesen oder gehört habe für die weniger aktzentuierte Spielweise.
Ich denke allerdings, dass es irgendwie übertrieben oder einseitig ist, von schamanistischer Spielweise zu reden oder eine bestimmte Art heranzugehen so zu deuten. Manche reden lieber etwas gemäßigter von entspannender Wirkung und vielleicht etwas mehr, dass man die Zeit vergisst oder fast in Trance gerät. Braucht es wirklich das schamanistische Weltbild um das zu deuten? Selbst wenn es kein Religion ist, ist doch so manches daraus religiös besetzt und da sind manche Leute halt zurückhaltend bis spöttisch, die einen weil sie mit Religion nichts am Hut haben und die andern weil sie ihren Glauben nicht gern mit fremden Elementen vermischen wollen. Ist es nicht möglich diese seelisch-positiv Wirkung des Didgespielens mit weniger mystischen Mitteln zu deuten und zu beschreiben? Wenn ich beim Didgen abhebe, muss ich das nicht gleich Seelenreise in die die Anderswelt nennen – oder?
Nun ja, um dir noch mal zuzustimmen, David, ich finde es gut, dass du den scharfen Ton rausgenommen hast und dich dafür einsetzt, dass man sich eine andere Sache und noch mehr einen andern Menschen erstmal genauer anschauen und anhören sollte, bevor man ihn in spöttischem Ton, runtermacht oder gar verketzert, was der andere sagt oder tut. Da stimme ich dir zu.
Grüß dich Alfred
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